Zwischen 2014 und 2016 ließ die Berliner Krebsforschungsfirma Mologen in vier europäischen Krankenhäusern den Wirkstoff Lefitolimod an schwerkranken Lungenkrebspatienten testen. Das Ergebnis war verheerend. Dennoch gönnte sich die Ärztin und Mologen-Vorstandsvorsitzende Mariola Söhngen einen üppigen Bonus.

Selbstbedienung hat eine alte Tradition in der Mologen AG. Seit den 1990er-Jahren forscht der Molekularbiologe Burghardt Wittig nach einem Wirkstoff gegen Krebs. 1998 brachte er Mologen an die Börse und machte sich zu einem reichen Mann. Ein Mittel gegen Krebs hat er trotz vollmundiger Ankündigungen immer noch nicht gefunden. Dennoch zog die Aktie Glückritter und Kriminelle wie Florian Homm oder → Markus Frick an.

Das ist schon ein paar Jahre her. Heute schillern die Mologen-Großaktionäre weniger grell.

Die Molo-Geldmaschine

Da wäre zum Beispiel der Wertpapierhändler Thorsten Wagner mit seiner Global Derivative Trading GmbH, die sich laut Wirtschaftsmagazin „Bilanz“  auf der → Cum-Ex-Liste der Wuppertaler Steuerfahnder findet. Oder Die Deutsche Balaton AG. Des Weiteren sind da noch die Signal Iduna Krankenversicherung und die Baloise Holding. Ein gewisser Ferdinand Graf von Thun und Hohenstein aus München, der mit dubiosen Genussscheinen seiner Salvator AG Kleinanleger verzweifeln ließ, hat sich wieder vom Acker gemacht.

Millionen über Millionen butterten große und kleine Aktionäre in Gestalt zahlloser Kapitalerhöhungen in die Forscherei von Wittig. Aber nicht nur er verdiente dabei gut, auch die Mologen-Manager und Aufsichtsräte kassieren seit 20 Jahren ab. Und nicht zu vergessen sind auch jene Krankenhäuser, die an den Mologen-Studien teilnehmen. Sie lassen sich für die Medikamententests an Krebskranken fürstlich bezahlen.

Und was haben die Patienten davon?

Ein bisschen Hoffnung.

Sie sind Teil eines Geschäftsmodells, das ihre Hoffnung auf mehr Leben zur Hoffnung auf mehr Geld für Aktionäre macht. Sie sind Material für Menschenversuche, die den Börsenkurs beflügeln. Menschenversuche, die im besten Fall nichts bringen. Und im schlimmsten Fall vielleicht sogar gefährlich sind.

Die Krankenhäuser, die im Studien-Verzeichnis → ClinicalTrials der United States National Library of Medicine als Teilnehmer an der Phase II-Studie Impulse für Mologen geführt werden, sind renommierte Adressen:

  • Medizinische Universität Innsbruck
  • Universitair Ziekenhuis Gent
  • Thoraxklinik Heidelberg
  • Hospital Universitario Fundación Jiménez Díaz, Madrid

Ende 2016 wurde mit der Analyse des Tests. begonnen. Spätestens im Laufe des ersten Quartals 2017 müssen der Geschäftsführung von Mologen detaillierte Erkenntnisse über die Wirksamkeit beziehungsweise die Nicht-Wirksamkeit von Lefitolimod bei Lungenkrebspatienten vorgelegen haben.

Stirb schneller mit Lefitolimod

Anhand der Daten war rasch klar, dass fast alle Patienten, die im Rahmen der Impulse-Studie mit Lefitolimod gegen kleinzelliges Lungenkrebs behandelt wurden, schneller verstorben sind als die Probanden der Kontrollgruppe, die kein Lefitolimod erhielten. Sie verstarben teilweise sogar ein halbes Jahr früher. Dies geht aus einer → Studienpräsentation vom September 2017 hervor.

In diesem Artikel steht, was bei Impulse wirklich herauskam und wie trickreich die börsennotierte Mologen AG das Ergebnis verdreht:

So verwandelt die Mologen AG einen schrecklichen Studien-Flop in Jubel-PR für die Börse

Als offizieller Prüfarzt zeichnet der in Pharmakreisen sehr beliebte Lungenkrebsspezialist Prof. Michael Thomas von der Thoraxklinik Heidelberg verantwortlich. Thomas zählt zu den meistzitierten Ärzten seines Fachs und steht als Berater und Miet-Sprecher in den Diensten von Astrazenca, Boehringer, Lilly, Novartis. Pfizer und Roche. Für Mologen leistet er wichtige Auftritte bei Fachkongressen, die sich für die Börsen-PR ausschlachten lassen.

Aktie stürzte ab

2016 war insgesamt kein gutes Jahr für die Mologen AG. Sämtliche Forschungsarbeiten wurden gestoppt oder ausgelagert. Begründet wurde das mit dem hohen Kostendruck. Dann erwies sich auch noch ein zuvor stolz  präsentierter neuer Großaktionär namens → TowerCrest als chinesisches Windei. Zuletzt kam dann noch die Erkenntnis hinzu, dass Impulse gescheitert ist.

Die Mologen-Aktie stürzte von 4,7 Euro (Januar 2016) auf 1,5 Euro (Januar 2017) ab. Nennt man so etwas Erfolg?

Dennoch genehmigte sich die Mologen-Chefin, Ärztin und Pharma-Managerin Dr. med. Mariola Söhngen für dieses unerfreuliche Jahr einen üppigen Bonus. Zur Aufbesserung ihres Jahresgehalts in Höhe von 282.000 Euro.

Genau 364.000 Euro Bonuszahlung erhielt Söhngen, wie man im Geschäftsbericht 2016 nachlesen kann, der am 8. März 2017 von ihr selbst unterzeichnet wurde. Wofür genau sie diese erfolgsabhängige Leistung kassiert hat, erfährt man in der Broschüre nicht.

Söhngen ist Mitgründerin des Pharma-Unternehmens Paion AG in Aachen, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang führte. 2015 stieg sie als Vorstandsvorsitzende bei Mologen ein und löste Langzeit-CEO Matthias Schroff ab.

Auf der Paion-Website steht über den Arzt und langjährigen Manager des Contergan-Herstellers Grünenthal Dr. Wolfgang Söhngen: „Zusammen mit seiner Frau Mariola hat er über EUR 170 Millionen durch Kapitalbeschaffung und EUR 78 Millionen durch Partnerschaften eingeworben.“ Mangelnde Geschäftstüchtigkeit ist den Söhngens wohl kaum vorzuwerfen.

Die Verantwortlichen für IMPALA schweigen

Die Mologen AG lässt übrigens noch andere Studien durchführen, um ihren Wirkstoff Lefitolimod zu testen. Zum Beispiel an 540 Darmkrebs-Patienten in ganz Europa. Die Phase III-Studie heißt Impala und startete ebenfalls 2014.

Hier sind alle Krankenhäuser, die laut US-Datenbank → ClinicalTrials an der Impala-Studie teilnehmen:

Das sind die Kliniken, in denen der Mologen-Wirkstoff Lefitolimod an Darmkrebs-Patienten erprobt wird

Ich fragte bei Mologen nach, ob die bestürzenden Erkenntnisse aus der Impulse-Studie Einfluss auf die Fortführung der Impala-Studie haben und ob man die Impala-Kliniken und ihre Patienten über das verkürzte Überleben bei Impulse informiert habe. Es kam nur eine ausweichende Antwort. Auch beim deutschen Impala-Studienleiter Prof. Dirk Arnold, Chefarzt in der Asklepios Klinik Altona, habe ich angeklopft. Keine Reaktion bisher.