Der Familienclan der Scalamandres aus den USA betreibt ein weltweites Kapitalkarussell, das Managements und Großaktionäre börsennotierter Firmen als Komplizen nutzt, um mit spektakulären Börsennews Kurse zu treiben und Deals zu machen, die im Verborgenen bleiben. Die Mologen AG ist sein Partner.

Man schrieb die letzten Tage des Jahres 2014. In der Firmenkasse des unscheinbaren Bergbauunternehmens Brazil Minerals in Belo Horizonte herrschte gähnende Leere. Genauso wie in den Minen der Firma. Zu wenig Gold und Edelsteine lassen sich dort blicken. Der Börsenkurs an der Nasdaq lag weit unter einem US-Dollar und keine Besserung war in Sicht. Irgendwas musst geschehen.

Dann kam diese Meldung:

Brazil Minerals Inc. (BMIX) announced that it has obtained an equity line of credit facility from Global Corporate Finance („GCF“), a family investment office. → zur Meldung

Nächster Schauplatz. Es ist Ende Oktober 2017. Anderer Kontinent, andere Firma, gleiche Masche.

In den Büros des unscheinbaren Krebsforschungsunternehmens Mologen AG in Berlin herrscht bedrückte Stimmung. Seit April weiß man, dass eine Patientenstudie am Wirkstoff Lefitolimod, in dessen Entwicklung Millionen über Millionen flossen, deprimierende Ergebnisse liefert und der Börsenkurs dümpelt vor sich hin. Bald sind wieder mal die Kassen leer.

Warum liquidierte Mariola Söhngen die erfolgreiche Nierenkrebs-Forschung der Mologen AG?

Die ganze Hoffnung von Belegschaft und Aktionären ruht auf dem Medikament MGN 1703 (Lefitolimod), das entwickelt wurde, um Krebstumoren den Garaus zu machen. Irgendwas musste geschehen, damit Anleger an Mologen wieder Gefallen finden.

Dann kam diese Meldung:

Das Biotechnologie-Unternehmen Mologen AG hat heute die Unterzeichnung einer Aktienbezugsvereinbarung mit dem US-Investor Global Corporate Finance (GCF) bekannt gegeben. → zur Meldung

War das die Rettung? Einstieg ins Unternehmen und der schöne Ausblick auf 10 Mio. Euro Cash. Vielleicht sogar noch viel mehr. Herrlich!

Ein kurzer Blick zurück nach Brasilien. Gleich nach dem Börsengang irgendwann um den Jahreswechsel zwischen 2012 und 2013 galt die exotische BMIX-Aktie als heißer Zock an der Nasdaq. Bis zu 5,50 USD war das Papier damals wert. Dann der jähe Absturz, der bis heute nicht aufhört. Aktuell notiert die Aktie bei einem halben Cent. Geht es noch schlimmer?

Homm, Frick, Scalamandre

Wieder heim nach Deutschland zu Mologen. So tief ist man hier noch nicht gesunken. Aber es gab deutlich bessere Zeiten. Einige erinnern sich wehmütig an jene Tage, als die Molos bei knapp 50 Euro notierten und Glücksritter und Kriminelle wie Florian Homm oder Markus Frick anlockten.

Diese beiden Herren sind Geschichte und die Abzock-Methoden subtiler geworden. Jedoch der Reihe nach.

In der Jubelmeldung von Mologen wird ein gewisser Nino Scalamndre mit freundlichen Worten über die Molo-Forscherei zitiert. Ganz enthusiastisch schwärmt er von den Zukunftsaussichten, die der Wirkstoff Lefitolimod angeblich bietet. Nino ist der Chef von GCF. Mologen-CEO Mariola Söhngen schmeichelt zurück: „Wir sind stolz darauf, das Vertrauen und die Unterstützung von dem renommierten und sichtbaren US-Investor GCF zu erhalten.“

Sichtbar? Renommiert?

Das sogenannte Headquarter der GCF ist laut Guglrecherche das private Apartment von Oma Diane Scalamandre in Manhattan. Die Dame ist angeblich 83 Jahre alt. Die offizielle Telefonnummer von GCF führt allerdings zu einem Anschluss im Bundesstaat Pennsylvania. Laut US-Handelsregister residiert die Firma aber Tausende Kilometer entfernt in Wyoming. Wenige Tage nach dem Brasilien-Deal wurde GCF kurzzeitig aus dem Register gelöscht, weil einer keine Gebühr bezahlt hatte.

Passiert so etwas einem Family Office, das laut Eigenangabe über 200 Investitionen stemmte?

Betrug, Erpressung, Verschwörung

In der klassischen Finanzpresse kommen GFC und der Name Scalamandre so gut wie gar nicht vor. Ein Manager-Profil auf der Website von Bloomberg kann jeder selbst für sich anlegen lassen. Bei der Guglsuche tauchen GCF und Scalamandre im Zusammenhang mit Betrug, Erpressung, Verschwörung und anderen unschönen Schlagwörtern in höchst fragwürdigen Quellen auf.

Was Mariola Söhngen unter „renommiert und sichtbar“ versteht, ist also interpretationswürdig.

Neben Nino Scalamandre und seiner GCF gibt es übrigens auch einen Herrn Franco Scalamandre, Management Director der Investmentfirma Global Emerging Markets (GEM), die mit Beteiligungen im Wert von 3.4 Milliarden US-Dollar im Portfolio protzt.

Über diese Firma schreibt der Sachbuchautor und Trading-Experte Dominic Connolly in seinem seit 2005 mehrmals aufgelegten Standardwerk „The UK Trader’s Bible“:

Sometimes you may notice an announcement revealing that a company, such as the US-based private investment group GEM, has signed an equity line of credit agreement with another company. Several UK companies, including Tadpole Technology, have entered into these agreements, which usually involve GEM agreeing to subscribe to equity at around 90% of the average closing bid price for the fifteen days prior to the draw down. There is a limit on the draw down of shares, typically a multiple of the average daily trading volume in the fifteen-day period. GEM acquires shares at a 10% discount to the market price, the company secures funding and times the exercise to coincide with a period of heavy trading in the shares and when the share price is as high as possible, thereby maximising the subscription amount. GEM simultaneously borrows a large line of stock (loan shares) from major shareholders, often directors, which can be sold short in the market to hedge themselves.

Damit schildert Connolly ein Kapitalkarussell zwischen Firmen, angeblichen Investoren und Großaktionären, das letztendlich dazu dient, durch aufregende Börsennachrichten Kurse nach oben zu treiben und den Beteiligten unbemerkt Geld in ihre Kassen zu spülen.

Wie das genau abläuft, schildert die Zeitung „The Daily Star“ in einem spannend geschriebenen Beitrag über einen Deal von GEM in Bangladesch. Hier ein ganz kurzer Abschnitt:

GEM could first sell the shares that it buys for high prices, and then also sell the shares it gets as ‚loans‘. Then it could repatriate the whole amount. Later, as the market cools down, GEM could again buy the same shares at a lower price and repay its ’share loans‘. And why give shares as loans to a foreign fund? Because, as market players say, if a foreign company deals in its shares, general investors will find it much more ‚valuable‘ than if a local company sells. In another word, such an arrangement would help boost share prices much more easily. Zum → ganzen Artikel.

Auf mich wirkt das alles wie eine gefährliche Mischung aus Marktmanipulation, Frontrunning und Scalping. Aber ich kann mich auch irren.

Gehen wir wieder zurück. Ganz weit zurück in die Vergangenheit. Und zwar ins Jahr 2009. Da meldet die Firma Digislide ein Abkommen mit GEM. Der Wortlaut klingt vertraut:

Digislide Holdings Limited (ASX:DGI) has successfully tapped into international money markets and secured $18 million in capital investment commitments from London based investment company, GEM Global Yield Fund Limited. Zur → Meldung

Weder bei Brazil Minerals noch bei Digislide wird in irgendwelchen öffentlich verfügbaren Quellen vermeldet, dass die Firmen das angekündigte Geld jemals erhielten. Auch meine Anfragen dazu blieben unbeantwortet.

Merkt ihr was? Connollys Schilderung der GEM-Aktivitäten auf dem Kapitalmarkt, die Masche in Bangladesch, die Meldung der Goldgräberbuzze in Brasilien und die großspurige Ankündigung von Digislide in Australien – das alles passt auf merkwürdige Weise zur aktuellen Nachrichtenlage bei Mologen. Und beide Firmen – GCF und GEM – werden von den Scalamandres gesteuert.

Ist Mologen-Finanzvorstand Walter Miller eigentlich bewusst, was da läuft? War ihm klar, mit wem er sich einlässt? Und weiß er, dass er mit diesen Partnern die letzten Reste Vertrauenswürdigkeit, die noch an Mologen hingen, verspielt haben muss?

Die spannendste Frage heißt jedoch: Wird es eine Zahlung von GCF geben oder war die in Wahrheit nie geplant?

Falls sich die Meldung vom GCF-Einstieg bei Mologen als Börsenbluff erweist, könnte es in Millers Büro bald sehr leer sein.

Übrigens, auch die bei dem Scalamandre-Deal mit Mologen federführende Dero Bank AG hat einen einschlägigen Ruf zu verteidigen.

Als VEM Bank erregte sie Aufsehen wegen Ermittlungen im Zusammenhang mit Kursmanipulation. Das ist Jahre her. Neuerdings haben die Dero-Banker die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Hals – wegen Aktiendeals, die den deutschen Staat um 30 Millionen Euro gebracht haben sollen. Die Verantwortlichen weisen jede Schuld von sich.