Lungenkrebs wirkt grausamer als Nierenkrebs und die Erkrankten sterben deutlich schneller. Hat deshalb die Mologen AG die Arbeit an einem Nierenkrebs-Wirkstoff eingestellt? Indizien sprechen dafür, dass Mariola Söhngen lieber auf Lungenkrebs setzte, weil das interessantere Börsennachrichten verspricht.

Am 27. April 2016 folgten trotz Flughafenstreiks in vielen deutschen Städten eine Reihe von Wissenschaftlern einer Einladung der Paul-Martini-Stiftung, die vom einflussreichen Verband forschender Arzneimittelhersteller (VfA) getragen wird, um Fortschritte auf dem Feld der Gentherapien zu präsentieren und diskutieren.

Einer der Vortragenden: Prof. Burghardt Wittig, Gründer und Aktionär der Mologen AG.

Wittig berichtete über die Mologen-Forschung an Gen-basierten Therapien gegen Krebserkrankungen, unter anderem auch an einem Wirkstoff gegen das Nierenzell-Karzinom. Der Forscher erzählte, dass in einer Patientengruppe gute Fortschritte erzielt werden konnten. In einem Tagungsprotokoll der Stiftung steht über Wittigs Vortrag: „Dabei konnte bei den vollständig behandelten Patienten eine starke Zunahme des Überlebens beobachtet werden.“

Wenn es stimmt, was Wittig damals fortrug, dann hat Mologen im Bereich der Nierenkrebs-Behandlung viel erreicht. Deutlich mehr als gegen Lungenkrebs.

Über Jahre forschte man bei Mologen an der Nierenkrebs-Behandlung herum. Viele Millionen Euro Forschungsgelder flossen in das Unterfangen.

2010 meldete Mologen endlich den Start einer Prüfstudie für das Nierenkrebs-Medikament MGN 1601 in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin.

Vier Jahre später befindet sich derselbe Wirkstoff immer noch in der Phase I/II-Prüfung und Mologen schäumt geradzu über vor Begeisterung.

In einer Unternehmensmitteilung aus dem Jahr 2014 schwärmt Prüfarzt  Dr. Viktor Grünwald von der Medizinischen Hochschule Hannover: „Diese Ergebnisse haben unsere Erwartungen übertroffen. Ich bin insbesondere von einem meiner Patienten beeindruckt, der mehr als 30 Monate behandelt wurde und immer noch progressionsfrei ist. Gleichzeitig stellen wir fest, dass MGN 1601 sicher und gut verträglich ist. Ich freue mich, an dem zukünftigen Entwicklungsprogramm dieses aussichtsreichen Produktkandidaten teilzunehmen.“

Plötzlich kam das Aus

2016 kommt dann völlig überraschend das Aus. In ein paar dürren Zeilen teilt das Unternehmen mit: „Die Weiterentwicklung von MGN 1601 haben wir zunächst zurückgestellt.“ Es folgt noch eine vage Ankündigung, dass man die Forschung unter gewissen Umständen wieder aufnehmen könnte.

Was ist passiert?

MGN 1601 ist ein Opfer der im Juni 2016 präsentierten Strategie namens „Next Level“, die der Geldverbrennung ein Ende setzen sollte.

Next Level bedeutet grob zusammengefasst die Einstellung bzw. Auslagerung der Mologen-Forschung also die Abkehr von der Gründungsidee des Unternehmens.

Seit Next Level ist Mologen nicht viel mehr als eine Marketingbude, in der die laufenen Studien am Wirkstoff Lefitolimod (MGN 1703) weiterschleppt werden, um aus den mehr als dürftigen Ergebnissen Nachrichten für die Börsenkommunikation zu saugen.

  • Lest hierzu diesen Artikel:

So verwandelt die Mologen AG einen schrecklichen Studien-Flop in Jubel-PR für die Börse

Das Merkwürdige an der ganzen Sache ist der Umstand, dass man die Forschung an MGN 1601 (Nierenkrebs) eingestellt hat, an MGN 1703 (Lungenkrebs) jedoch festhält, obwohl nach Mologen-Leseart die Fortschritte im Kampf gegen das Nierenkarzinom weitaus größer waren.

Oder war Wittigs Auftritt vor den Gästen der Paul-Martini-Stiftung Scharlatanerie, um die Börsen-PR von Mologen zu stützen?

Bei Mologen selbst räumt man dem Projekt MGN 1703 nur überschaubare Chancen ein. Bei einer Präsentation der Studienergebnisse unter MGN-1703-Prüfarzt Prof. Michael Thomas, Chefarzt an der Thoraxklinik in Heidelberg, wurde im September 2017 die Indikation als „highly challenging“ bezeichnet. Entsprechend dürftig fallen auch die Fortschritte aus.

Lungenkrebs vs. Nierenkrebs

Die Fragen, die am Ende übrig bleiben sind einfach.

Entweder: War Wittigs euphorische Präsentation beim Verband der forschenden Arzneimittelhersteller eine Farce und die Forschung an MGN 1601 wurde aufgrund fehlender Fortschritte völlig zurecht eingestellt?

Oder: Entschied sich Mariola Söhngen im Zielkonflikt zwischen Nierenkrebs-Heilung und Lungenkrebs-Therapie für die riskantere aber nachrichtenstarke Studien-Fortführung am völlig erfolglosen Wirkstoff MGN 1703, weil sich dadurch die interessanteren Nachrichten für die Börse dichten lassen?

Lungenkrebs wirkt nämlich weitaus grausamer als Nierenkrebs und die Erkrankten sterben deutlich schneller. Selbst wenn eine Heilung nicht möglich ist, können Nierenkrebs-Patienten dank moderner Behandlungsverfahren jahrelang ein erfülltes Leben führen.

Für die schlagzeilenhungrige Mologen-PR ist Nierenkrebs eine lahme Ente. Lungenkrebs jeoch verheißt Dramatik und Aufmerksamkeit. Eine Erkrankung an Lungenkrebs kommt einem Todesurteil gleich. Lungenkrebs ist die Krebsart, die bei Männern am häufigsten zum Tode führt.

Mir scheint, Mologen-Chefin Mariola Söhngen steht seit ihrem Amtsantritt unter großem Erfolgsdruck und ließ sich von den Kapitalgebern der Gesellschaft in riskante Kamikazestudien treiben, um heiße Börsennachrichten zu produzieren.

Dass sie dabei das Geld der Aktionäre verbrennt, nimmt sie offenbar in Kauf.